Sicherheit

Gefährdungsanalyse für Kälteanlagen: Der 6-Schritte-Prozess

Swen Schönenberger 12 Minuten

In diesem Artikel
  1. 01Was ist eine Gefährdungsanalyse und warum braucht sie jede Kälteanlage?
  2. 02Welche Rechtsgrundlagen greifen?
  3. 03Der 6-Schritte-Prozess im Detail
  4. 04Die Navigan-Vorlage (Preview)
  5. 05Welche Methode für welche Anlage?
  6. 06Drei Praxisbeispiele aus dem Alltag
  7. 07Sieben häufige Fehler bei Gefährdungsanalysen
  8. 08Häufige Fragen zur Gefährdungsanalyse für Kälteanlagen
  9. 09Nächste Schritte

TL;DR

Eine Gefährdungsanalyse für Kälteanlagen ist die methodische Grundlage jedes Sicherheitskonzepts. Der bewährte 6-Schritte-Prozess führt von der Systemabgrenzung über die Gefährdungs-Identifikation und Risiko-Bewertung bis zur Massnahmenplanung, Umsetzung und Dokumentation. Die Analyse dauert je nach Anlagengrösse zwei Tage bis vier Wochen und kostet CHF 2’500 bis 15’000. Die grössten Fehler entstehen durch zu grobe Systemabgrenzung und Massnahmen ohne STOP-Prinzip.

Jede Kälteanlage birgt Risiken. Kältemittel können ausströmen, Druckbauteile versagen, Wartungsarbeiten schiefgehen. Die Gefährdungsanalyse ist die systematische Antwort auf die Frage «Was kann schiefgehen und wie wahrscheinlich ist es?» Sie ist die methodische Grundlage jedes Sicherheitskonzepts nach SN EN 378, jeder Konformitätsbewertung nach Druckgeräteverordnung und jeder Störfall-Vorabklärung.

In diesem Artikel führen wir Sie durch den 6-Schritte-Prozess, den wir bei Navigan für Analysen an Anlagen aller Grössenordnungen anwenden. Von der einfachen Split-Klimaanlage bis zur industriellen Ammoniak-Anlage mit 3’000 kg Füllung. Am Ende finden Sie eine Vorlage zum Download.

Was ist eine Gefährdungsanalyse und warum braucht sie jede Kälteanlage?

Eine Gefährdungsanalyse ist die systematische Untersuchung einer Anlage auf mögliche Gefahren für Personen, Umwelt und Sachwerte. Sie identifiziert alle denkbaren Gefährdungen, bewertet ihre Eintrittswahrscheinlichkeit und ihr Schadensausmass und definiert Massnahmen, die inakzeptable Risiken auf ein akzeptables Restrisiko reduzieren.

Bei Kälteanlagen ist die Analyse aus zwei Gründen nötig. Erstens rechtlich. Die Druckgeräteverordnung, SN EN 378 und die EKAS-Richtlinie 6508 verlangen eine dokumentierte Risikobeurteilung. Zweitens fachlich. Ohne strukturierte Analyse werden systematisch bestimmte Risiken übersehen, insbesondere solche, die in Übergangszuständen der Anlage auftreten (Anlauf, Abschalten, Wartung, Störung).

Wichtig. Die Gefährdungsanalyse und das Sicherheitskonzept sind zwei getrennte Dokumente. Die Analyse ist die Grundlage. Das Konzept beschreibt darauf aufbauend die technischen und organisatorischen Massnahmen zur Beherrschung der Risiken. Wer diese Trennung nicht sauber vornimmt, produziert Dokumente, die bei Prüfungen durchfallen.

Welche Rechtsgrundlagen greifen?

Vier Regelwerke sind für die Gefährdungsanalyse an Kälteanlagen relevant.

  • Druckgeräteverordnung DGV (2014/68/EU bzw. In der CH übernommenes Recht). Verlangt die Einhaltung der Druckgeräterichtlinie für alle Druckgeräte ab bestimmten Grenzwerten, welche in gesplitteter Ausführung (z.B. Multisplit, VRV/VRF) oder individuell (kundenspezifischer Anlagenbau) gefertigt sind.
  • SN EN 378-1 (Anhang B). Die SN EN 378 (Kälteanlagen und Wärmepumpen – Sicherheitstechnische und Umweltrelevante Anforderungen) ist die massgebliche Norm für Kälteanlagen und Wärmepumpen. Teil 1, Anhang B beschreibt detailliert die Methodik zur Risikobeurteilung.
  • SN EN ISO 12100. Die SN EN ISO 12100 ist die internationale/europäische A-Norm für die Sicherheit von Maschinen (Allgemeine Leitsätze für die Gestaltung – Risikobeurteilung und Risikominderung). Da Kälteanlagen oft als Gesamtheit auch unter die Maschinenverordnung fallen, ist die Norm die methodische Basis, die bei komplexen Anlagen (oder Verbundanlagen) herangezogen wird.
  • EKAS-Richtlinie 6508 (ASA). Die EKAS-Richtlinie 6508 regelt en Beizug von Arbeitsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicherheit (ASA-Bestimmungen) in der Schweiz und verlangt systematische Gefährdungsermittlungen und Risikoeinschätzungen für den Betrieb und Unterhalt.

Ergänzend gelten für spezifische Anwendungen weitere Normen. Zum Beispiel Suva-Merkblatt 2153 für den Explosionsschutz bei brennbaren Kältemitteln oder die Störfallverordnung StFV bei grossen Mengen an gefährlichen Kältemitteln wie Ammoniak.

Der 6-Schritte-Prozess im Detail

Der folgende Prozess ist die bewährte Methodik für Gefährdungsanalysen an Kälteanlagen. Die Schritte bauen aufeinander auf. Wer einen Schritt überspringt oder verkürzt, verliert die Nachvollziehbarkeit und Beweiskraft der Analyse.

Schritt 1 · Systemabgrenzung und Datensammlung

Definieren Sie den Betrachtungsgegenstand präzise. Bei einer einzelnen Klimaanlage ist das einfach. Bei einer verketteten Industriekälte mit mehreren Verdampfern und einem zentralen Verflüssiger wird die Abgrenzung schnell komplex. Legen Sie fest, was innerhalb und was ausserhalb der Analyse liegt (etwa nachgelagerte Elektroversorgung, vorgelagerte Wärmesenke).

Zu dokumentierende Grunddaten: Kältemittel-Typ und maximale Füllmenge, Anlagenschema mit allen sicherheitsrelevanten Komponenten, Aufstellungsraum mit Grundfläche und Volumen, Belüftungssituation, Zugangsklasse nach SN EN 378, angrenzende Nutzungen. Für bestehende Anlagen: Betriebshistorie, Wartungsprotokolle, bekannte Störungen der letzten Jahre.

Typischer Aufwand. Halber bis ganzer Tag bei kleinen Anlagen, 2 bis 3 Tage bei industriellen Grossanlagen.

Schritt 2 · Gefährdungs-Identifikation

Systematische Betrachtung aller Gefährdungsquellen und aller Betriebszustände. Der zweite Punkt wird häufig unterschätzt. Analysieren Sie nicht nur den Normalbetrieb, sondern auch Anlauf, planmässiges Abschalten, Notabschaltung, Wartung, Reinigung und Reparatur.

Vier Gefährdungskategorien sind bei Kälteanlagen zu betrachten:

  • Kältemittelspezifisch. Brand, Explosion, Toxizität, Erstickung, Erfrierung.
  • Mechanisch. Druckstösse, Berstversagen, mechanische Schläge, Vibrationen, herabfallende Teile.
  • Elektrisch. Kurzschluss, elektrischer Schlag, Zündung explosiver Atmosphären.
  • Umgebungs-Wechselwirkung. Wärmestrahlung auf Nachbarräume, Lärm, Wasserschäden bei Leckagen, Chemikalien-Wechselwirkungen.

Typischer Aufwand. 1 bis 3 Arbeitstage. Bei grossen Anlagen mit HAZOP-Sitzung 1 bis 2 Tage im Team.

Schritt 3 · Risiko-Bewertung

Für jede identifizierte Gefährdung wird das Risiko bewertet. Das Risiko ist das Produkt aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadensausmass. Bewährt hat sich eine 5×5-Matrix mit den Skalen 1 (sehr niedrig) bis 5 (sehr hoch).

Die resultierende Risiko-Kennzahl (Wahrscheinlichkeit multipliziert mit Schadensausmass, Wertebereich 1 bis 25) wird kategorisiert. Zum Beispiel:

  • 1 bis 4. Akzeptabel. Keine Massnahmen zwingend, aber Beobachtung sinnvoll.
  • 5 bis 12. Bedingt akzeptabel. Reduktionsmassnahmen empfohlen, insbesondere wenn Ersteintritt aus dem Bereich 3+ Schadensausmass stammt.
  • 13 bis 25. Inakzeptabel. Massnahmen zwingend, bis das Restrisiko in eine akzeptable Kategorie fällt.

Typischer Aufwand. Halber bis ganzer Tag bei kleinen Anlagen, 2 bis 4 Tage bei grossen Anlagen.

5 × 5 Risikomatrix: Eintrittswahrscheinlichkeit mal Schadensausmass. 1–4 akzeptabel, 5–12 bedingt akzeptabel, 13–25 inakzeptabel.

Schritt 4 · Massnahmenplanung nach dem STOP-Prinzip

Für alle inakzeptablen und bedingt akzeptablen Risiken werden Massnahmen definiert. Die Reihenfolge folgt dem STOP-Prinzip aus dem Arbeitsschutz.

  • S wie Substitution. Ersetzt die Gefahr, statt sie zu schützen. Beispiel: Wechsel von R290 zu R32 wäre eine Substitution der Brennbarkeit, aber mit höherem GWP als Trade-off.
  • T wie Technische Massnahmen. Bauliche und apparative Schutzeinrichtungen. Gaswarngeräte, Belüftung, Druckentlastung, Umzäunung.
  • O wie Organisatorische Massnahmen. Verfahren, Zutrittskontrollen, Schulung, Wartungsintervalle, Notfallpläne.
  • P wie Persönliche Schutzausrüstung. Vollmasken, Schutzanzüge, Sicherheitsschuhe. Nur als letzte Ebene, weil sie den Träger schützt, aber die Gefahr nicht reduziert.

Für jede Massnahme wird das Restrisiko neu bewertet. Ziel: alle Risiken in die akzeptable Kategorie überführen oder für bedingt akzeptable Risiken die Verhältnismässigkeit dokumentieren.

Typischer Aufwand. 1 bis 3 Tage. Bei komplexen Anlagen mit mehreren Massnahmen-Alternativen bis 5 Tage.

Schritt 5 · Umsetzung und Wirksamkeitsprüfung

Die geplanten Massnahmen werden umgesetzt. Nach der Umsetzung wird die Wirksamkeit geprüft. Bei technischen Massnahmen ist das eine Funktionsprüfung (löst das Gaswarngerät bei der Zielkonzentration aus?), bei organisatorischen ein Nachvollziehbarkeitsnachweis (existieren die Schulungsprotokolle?).

Wenn eine Massnahme nicht die erwartete Risikoreduktion bringt, wird nachgesteuert. Erst nach Bestätigung der Wirksamkeit gilt die Analyse als abgeschlossen und die Anlage als freigegeben.

Typischer Aufwand. Je nach Umfang der Umsetzung 1 Tag bis mehrere Wochen. Der Analyseanteil (Wirksamkeitsprüfung, Dokumentation) liegt bei 1 bis 3 Tagen.

Schritt 6 · Dokumentation und Aktualisierung

Die vollständige Analyse wird dokumentiert. Datum, Autor, Version, Grundlagen (Normen, Anlagenschema, Betriebshistorie), alle Schritte 1 bis 5 mit Ergebnissen und Nachweisen.

Die Dokumentation ist kein Endzustand. Bei jeder wesentlichen Änderung an der Anlage (Umbau, Erweiterung, Wechsel des Aufstellungsorts, Umstellung des Kältemittels) wird die Analyse aktualisiert. Ohne Änderung mindestens alle 5 Jahre eine Routine-Überprüfung.

Typischer Aufwand. 1 bis 3 Tage für die initiale Dokumentation. Routine-Updates 0.5 bis 2 Tage.

Die Navigan-Vorlage (Preview)

Unsere Vorlage «Gefährdungsanalyse Kälteanlage Wärmepumpe» ist eine strukturierte Excel-Tabelle mit vorgegebenen Spalten und einer eingebauten Risikomatrix. Sie eignet sich für Anlagen aller Grössenordnungen. Bei kleinen Anlagen füllen Sie 10 bis 30 Zeilen, bei grossen deutlich mehr.

So sieht ein Ausschnitt aus einer typischen Analyse aus (drei Beispielzeilen zur Illustration):

NrSzenarioGefährdungUrsacheW (1-5)S (1-5)R (W·S)Massnahmen
1Leckage von Kältemittel R290Bildung einer zündfähigen Athmospähre mit ExplosionsgefährdungUndichtigkeit (z.B. Rohrleitung, Lötverbindung)248Gaswarngerät, jährliche Dichtigkeitsprüfung, Notabschaltung
2Zündquelle im AufstellbereichEntzündung einer zündfähigen AtmosphäreElektrische Betriebsmittel, Heisse Oberflächen248Auswahl geeigneter Betriebsmittel, Notabschaltung
3Wartung / InstandhaltungFreisetzung von Kältemittel und mögliche EntzündungUnsachgemässe Arbeiten, fehlende Schutz-massnahmen339Zutritt nur für geschultes Personal, klare Arbeitsanweisungen

Fordern Sie unsere vollständige Excel-Vorlage kostenlos an. Sie enthält vorbereitete Spalten für Betriebszustand, Gefährdung, Ursache, Auswirkung, Wahrscheinlichkeit, Schadensausmass, Risiko-Kennzahl, Massnahmen, Verantwortlichkeit, Termin und Status. Mit eingebauter Risikomatrix und farblicher Kategorisierung.

Welche Methode für welche Anlage?

Nicht jede Kälteanlage braucht die aufwendigste Methodik. Die Wahl der Analysemethode richtet sich nach Anlagengrösse, Komplexität und Gefährdungspotenzial des Kältemittels.

AnlagentypEmpfohlene MethodeTypischer Aufwand
Outdoor — A3: < 5kg, A2L: <25kgRisikoanalyse & Zündquellen-Engineering mit Risikomatrix (gemäss Suissetec)1 bis 3 Tage · CHF 2’500 bis 4’000
Outdoor — A3: >5kg, A2L: >25kgErweiterte Risikobeurteilung & Zündquellenanalyse im Freien (gemäss SVK)3 bis 6 Tage · CHF 5’000 bis 9’000
Indoor — A3: <5kg, A2L: <25kgRisikobeurteilung & Sicherheitskonzept Indoor (Fokus Zündquellenfreiheit & Belüftung)3 bis 10 Tage · CHF 9’000 bis 15’000
Indoor — A3: >5kg, A2L: <25kgUmfassende Risikobeurteilung & Ex-Schutz-Sicherheitskonzept mit Team-Review5 bis 10 Tage · CHF 12’000 bis 20’000
Grossanlagen — > 2’000kg (StFV)Vollständige Risikobeurteilung (HAZOP) & behördliches Sicherheitskonzept4 bis 8 Wochen · CHF 15’000 bis 40’000

Für Anlagen mit brennbaren oder toxischen Kältemitteln (Propan, Ammoniak, CO2 unter Sonderbedingungen) empfehlen wir grundsätzlich mindestens die strukturierte Methode mit Team-Review, unabhängig von der Anlagengrösse.

Drei Praxisbeispiele aus dem Alltag

Zur Veranschaulichung drei anonymisierte Analysen aus unserer Arbeit.

Split-Klimaanlage in einer Arztpraxis

Beispiel 1 · Klimaanlage in Arztpraxis

Ausgangslage. Split-Klimaanlage mit R32, Füllung 3 kg, zwei Innengeräte im Warteraum und im Behandlungsraum, Aussengerät auf der Fassade. Zugangsklasse A (öffentlich zugängliche Räume mit Patienten).

Analyseumfang. Checklisten-basierte Methode mit vereinfachter Risikomatrix. 18 identifizierte Gefährdungen, davon 2 in der Kategorie bedingt akzeptabel und 16 akzeptabel. Massnahmen: Halbjährliche Sichtprüfung der Verschraubungen, Wartungsprotokoll mit Signatur, definierte Notfallanweisung bei ungewöhnlichem Geruch.

Aufwand. 2 Tage. Kosten CHF 2’800.

Sole-Wasser-Wärmepumpe im Technikraum eines Mehrfamilienhauses

Beispiel 2 · Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus

Ausgangslage. Sole-Wasser-Wärmepumpe mit R290, Füllung 4.5 kg, Aufstellung im Technikraum im Keller (Zugangsklasse C). Bewohnte Wohnungen darüber.

Analyseumfang. Strukturierte Methode mit Team-Review (Anlagenbauer, Bauherr, Navigan). 38 identifizierte Gefährdungen, davon 3 in der Kategorie inakzeptabel vor Massnahmen. Kernrisiken: Kältemittelleckage in geschlossenem Raum, Zündung durch Elektroinstallation, Wartungsarbeiten ohne Belüftung. Massnahmen: Ex-geschützte Beleuchtung, Gaswarngerät in Bodennähe, mechanische Zwangsentlüftung bei Alarm, verbindliche Wartungsanweisung.

Aufwand. 4 Tage. Kosten CHF 6’200.

Ammoniak-Kälteanlage für die Prozesskühlung in einem Lebensmittelbetrieb

Beispiel 3 · Prozesskälte in Lebensmittelbetrieb

Ausgangslage. Ammoniak-Kälteanlage mit 1’200 kg Füllung, Prozesskühlung für einen Verarbeitungsbetrieb. Maschinenraum mit Zugangsklasse C, direkt angrenzend die Produktionshalle mit rund 40 Beschäftigten.

Analyseumfang. HAZOP-artige Methode mit interdisziplinärem Team über zwei Tage (Betreiber, Anlagenbauer, Feuerwehr-Vertreter, Navigan). 156 identifizierte Gefährdungen, davon 12 in der Kategorie inakzeptabel vor Massnahmen. Massnahmen: Notberieselung mit Wassernebel, redundante NH3-Sensoren, automatische Absaugung mit Neutralisation, Übertritt in Produktionshalle konstruktiv unterbunden, quartalsweise Übung mit Chemie-Wehr.

Aufwand. 8 Tage plus Team-Sitzungen. Kosten CHF 13’500.

Kundenstimme

«Wir haben unsere Gefährdungsanalyse jahrelang selbst geführt, jährlich aktualisiert nach dem gleichen Schema. Als Navigan sie das erste Mal geprüft hat, haben sie uns drei Risiken aufgezeigt, die wir schlicht nicht auf dem Radar hatten. Alle drei betrafen Übergangsphasen, die wir in unserer Standard-Analyse ausgeklammert hatten. Seither führen wir Anlauf, Abschalten und Wartung als eigene Betriebszustände.»

Anlagenverantwortlicher, mittelgrosser Gewerbebetrieb Kanton Aargau

Sieben häufige Fehler bei Gefährdungsanalysen

Aus unseren Prüfungen bestehender Analysen sehen wir immer wieder die gleichen Muster. Wer diese Fehler vermeidet, produziert Dokumente, die bei Kontrollen bestehen und die Anlage wirklich sicherer machen.

  1. Zu grober Betrachtungsrahmen. Nur Normalbetrieb analysiert. Anlauf, Abschalten, Wartung und Störungen fehlen. Genau in diesen Übergangsphasen liegen die kritischsten Risiken.
  2. Bauchgefühl statt Systematik. Bewertungen ohne Matrix, ohne Skalen, ohne nachvollziehbare Kriterien. Bei einer Prüfung nicht verteidigbar.
  3. Massnahmen ohne STOP-Hierarchie. Persönliche Schutzausrüstung als erste Massnahme, obwohl eine technische Lösung möglich wäre. Kehrt die Prioritätenlogik um und schützt weniger.
  4. Keine Wirksamkeitsprüfung nach Umsetzung. Massnahmen werden geplant und installiert, aber nie darauf geprüft, ob sie im Realfall auslösen und funktionieren.
  5. Fehlende Aktualisierung nach Umbauten. Klassiker. Die Anlage wurde erweitert, die Analyse blieb unverändert. Die neuen Risiken sind nirgends dokumentiert.
  6. Analyse «aus der Schublade». Vorlage einer ähnlichen Anlage übernommen, ohne die konkrete Situation zu analysieren. Erkennt jeder halbwegs erfahrene Prüfer sofort.
  7. Nur Fachpersonal beteiligt, kein Betreiber. Die Personen, die die Anlage täglich bedienen, wissen oft Dinge, die im Anlagenschema nicht stehen. Ohne ihre Perspektive bleiben blinde Flecken.

Häufige Fragen zur Gefährdungsanalyse für Kälteanlagen

Wer muss eine Gefährdungsanalyse für eine Kälteanlage erstellen?

Verantwortlich ist der Betreiber der Anlage. In der Praxis wird die Analyse jedoch fast immer von externen Fachexperten oder vom planenden Ingenieurbüro erstellt, weil die methodische Kompetenz und die haftungsrechtliche Absicherung sonst schwer sicherzustellen sind. Der Betreiber muss die Analyse aktiv freigeben und die Umsetzung der Massnahmen sicherstellen.

Wie unterscheidet sich die Gefährdungsanalyse vom Sicherheitskonzept?

Die Gefährdungsanalyse ist die methodische Grundlage. Sie identifiziert und bewertet Risiken und leitet Massnahmen ab. Das Sicherheitskonzept baut darauf auf und beschreibt die technische, organisatorische und personelle Umsetzung der Massnahmen im Betrieb. Analyse ist Analyse, Konzept ist Umsetzungsplanung.

Welche Methode passt zu meiner Anlagengrösse?

Für kleinere und mittlere Kälteanlagen und Wärmepumpen bis 25kg (A2L) bzw. bis 5kg (A3) im Outdoor-Bereich reicht eine kompakte Risikoanalyse nach Suissetec-Standard. Bei gleicher Füllmenge in Innenräumen oder bei grösseren Anlagen (über 25kg A2L bzw. 5kg A3) ist ein erweitertes Sicherheitskonzept mit Zündquellen- oder Ex-Schutz-Analyse erforderlich. Ab 2’000kg (StFV) wird eine vollstädndige Risikostudie (HAZOP) als behördliches Sicherheitskonzept zum Standard.

Wie oft muss die Analyse aktualisiert werden?

Bei jeder wesentlichen Änderung an der Anlage. Zusätzlich mindestens alle 5 Jahre eine Routine-Überprüfung, auch ohne konkrete Änderung. Bei Betrieben mit ASA-Pflicht gemäss EKAS-Richtlinie 6508 ist die Gefährdungsermittlung Teil der jährlichen Sicherheitsaktivitäten.

Was passiert bei einer Prüfung, wenn die Analyse Lücken hat?

Bei kantonalen Vollzugskontrollen führt eine mangelhafte Analyse zu einer Frist für Nachbesserung. Bei einem Störfall wird die Analyse Teil der behördlichen und versicherungsrechtlichen Prüfung. Wenn die Analyse eine relevante Gefährdung nicht abbildet, die zum Störfall geführt hat, wird die Haftung entsprechend zugewiesen.

Kann ich die Analyse selbst machen oder brauche ich einen Experten?

Bei einer kleinen Standard-Anlage mit synthetischem Kältemittel und Aufstellung in Klasse C ist eine sorgfältige interne Analyse möglich, wenn die Person die methodische Kompetenz hat. Bei Anlagen mit brennbaren oder toxischen Kältemitteln, in öffentlich zugänglichen Räumen oder ab mittlerer Grösse empfehlen wir eine externe Analyse. Aus zwei Gründen. Erstens methodische Sicherheit, zweitens haftungsrechtliche Absicherung.

Wie lange dauert eine Gefährdungsanalyse?

Von der Beauftragung bis zum fertigen Dokument rechnen Sie bei einer kleinen Anlage mit 2 bis 4 Wochen, bei einer mittleren mit 4 bis 8 Wochen und bei einer grossen Industrieanlage mit 3 bis 6 Monaten. Der reine Analyseaufwand ist kürzer, hinzu kommen Terminfindung mit dem Team, Vor-Ort-Termine und Iterationsschleifen mit dem Betreiber.

Nächste Schritte

Wenn Sie eine Gefährdungsanalyse für Ihre Kälteanlage benötigen oder eine bestehende Analyse überprüft haben möchten, klären wir das gerne im Rahmen eines kostenlosen Online-Erstgesprächs.

Buchen Sie einen 30-Minuten-Termin. Wir prüfen Ihre Situation und stellen Ihnen im Anschluss unsere Excel-Vorlage «Gefährdungsanalyse Kälteanlage» kostenlos zur Verfügung. Ohne Verpflichtung.